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Vertrauen von Anfang an

Durch die regelmäßigen Hausbesuche entwickelt Antje Naumann ein Gespür für die Kinder und ihre Eltern. 

Durchschnittlich 266 Tage vergehen von der Zeugung eines Kindes bis zu seiner Geburt. 266 Tage, die neues Leben bilden – und das der Eltern, insbesondere natürlich der Mutter, gehörig auf den Kopf stellen. Denn so unfassbar schön und im positiven Sinne lebensverändernd der eigene Nachwuchs sein kann, so groß sind für viele Menschen auch die Herausforderungen, die mit dem neuen Leben verbunden sind. Umfangreiche Hilfe versprechen in Dessau-Roßlau die beiden Familienhebammen Antje Naumann und Stefanie Opel.

Im Grunde genommen sind die beiden Frauen reguläre Hebammen wie ihre Kolleginnen auch. Wird jedoch ihre Hilfe als Familienhebamme in Anspruch genommen, haben sie einen besonderen Vorteil. Während eine Hebamme nur bis zu zwei Monate nach der Geburt des Kindes die jungen Eltern unterstützen kann, sind Familienhebammen bis zum 1. Geburtstag des Nachwuchses für „ihre“ Familien da.

Zielgruppe sind Familien und Mütter, die aus vielschichtigen Problemen auf sich allein gestellt und mit der Erziehung und Betreuung des Nachwuchses überfordert wären. In vielen Fällen wären noch vor 20 Jahren die Oma oder Onkel und Tante helfend eingesprungen, doch heute ist die Großfamilie vor Ort nur noch ein Einzelfall. Den Weg zur Behörde, vielleicht gar zum Jugendamt, scheuen die Eltern, aus falscher Scham oder aus Angst, dort negative Erfahrungen zu machen. Die Arbeit der Hebamme, die schon früh in der Schwangerschaft beginnt, ermöglicht hier einen Brückenschlag – und das nötige Vertrauen. „Man braucht wirklich viel Zeit, weil diese Familien in der Regel bereits viele Dinge erlebt haben, die nicht so schön sind und das Vertrauensverhältnis zu Fremden natürlich zerstört ist“, betont Antje Naumann die Bedeutung der fast zwei Jahre, die sie mit Eltern und Kind verbringen kann.

Selbstverständlich können in dieser Zeit keine kompletten Familienstrukturen umgekrempelt werden. In erster Linie sind die Familienhebammen Ansprechpartner mit stets offenen Ohren, die die Mütter auf den richtigen Weg bringen wollen und können. „Das kann eine Erziehungsberatung sein, zu der man einfach mitgeht, dass kann ein Kinderarzt sein oder dass man gemeinsam mit der Familie das Jugendamt aufsucht und um Hilfe bittet“, so Antje Naumann. Rund um die Uhr sind sie und ihre Kollegin für die teilweise erst 15-jährigen Mütter erreichbar, per Telefon, SMS und E-Mail. Diese Erreichbarkeit hat natürlich auch ihre Tücken, denn nicht selten werden die Familienhebammen schon bald als Teil der Familie angesehen oder als solcher vereinnahmt. Die Helferinnen müssen daher stets einen gesunden Mittelweg zwischen intensiver Unterstützung und professioneller Distanz finden. Ein Großteil der gemeinsamen Zeit fließt in die Aufgabe, den Eltern deutlich zu machen, dass sie im Umgang mit ihrem Kind nicht so viel falsch machen können, wie sie oft denken. Die Verunsicherung ist groß, in der heutigen Gesellschaft ganz allgemein, und bei der Zielgruppe der Familienhebammen ganz besonders. Und das meist völlig unnötig, weiß Antje Naumann: „Schon die Indianer haben das hinbekommen: windeln, wiegen, füttern – fertig. Und für das Kind da zu sein und es in den Arm zu nehmen, kann nie falsch sein.“

Verunsichert werden gerade die sehr jungen Mütter auch sehr oft durch ihr Umfeld. Von vielen Seiten bekämen sie gesagt, was sie alles falsch machen, und wüssten am Ende dann nicht mehr, wie sie es richtig machen können, so die Familienhebamme. Eigentlich bräuchten sie daher meist nur jemanden, der ihnen beratend zur Seite steht, sie in ihrer eigenen Persönlichkeit und Entscheidungsfindung unterstützt und ihnen deutlich macht, dass sie ruhig öfter auf ihr eigenes Herz, auf ihr Bauchgefühl, hören sollten.

Zustande kommt der Kontakt zu den Schwangeren auf vielfältige Weise. Durch Vermittlung des Frauenarztes beispielsweise, durch die kirchlichen Verbände oder auch durch persönliche Kontaktaufnahme über die Hebammenpraxis im Städtischen Klinikum Dessau. Allerdings stehen die Familienhebammen nicht jeder Schwangeren zur Verfügung, echte Hilfsbedürftigkeit ist Grundvoraussetzung ihrer Arbeit. „Was Hilfe für junge Familien betrifft, ist Dessau-Roßlau sehr gut aufgestellt, auch die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt klappt hervorragend“, so Antje Naumann. Inzwischen melden sich bei ihr immer häufiger auch Mütter, die zum wiederholten Mal Nachwuchs erwarten und bereits durch die Familienhebammen betreut wurden. Und das ist für Antje Naumann und Stefanie Opel die schönste Bestätigung, dass ihre Hilfe bei den Familien auf fruchtbaren Boden fällt. Wunder können auch die beiden Frauen nicht vollbringen – wohl aber dazu beitragen, gemeinsam das Bestmögliche zum Wohl des Kindes und der Eltern zu erreichen.

Adressen finden

Adressen zu folgenden Einrichtungen finden Sie direkt Online!

Infokasten

Hebammenpraxis am Städtischen Klinikum
Auenweg 38
06847 Dessau-Roßlau

Telefon: 0340 5323526
www.hebammenpraxis-dessau.de

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